Main-Post, Würzburg, Mittwoch, 19. Februar
2001Divertimento zwischen Billard und Brotzeit
Trio "Spieltrieb" beim ersten Kammerkonzert des
Mainfranken Theaters im Toscanasaal
WÜRZBURG (URK)
Auf der Suche nach Noten für ihre Besetzung fand das Trio
"Spieltrieb" in einem Versand ein Werk für zwei Klarinetten und Fagott von
Josef Friedrich Doppelbauer, einem Kompositions-Professor in der
Hindemith-Nachfolge. Der Fund erwies sich als ein Stück, das beim Proben am
meisten Spaß machte und amüsierte auch das Publikum bei der Aufführung im
Toscanasaal der Würzburger Residenz. Reizvoll und mit Sinn für Komik
kombiniert der Österreicher die Instrumente, etwa im Scherzo groteske
Schritte des Fagotts mit den aufgeregt schnellen Klarinetten. Das Nocturne
beginnt mit einer einsamen, sich steigernden Klage der Klarinette, die Fuga
mit ihrem untypischen, sich überschlagenden Thema, ist eine Parodie.
Für die "Spieltrieb"-Besetzung mit Uwe Ellies und Nadja
Konrad (Klarinetten) und der Fagottistin Andrea Wurmbäck gibt es viele
klassische Divertimenti. So begann das Konzert mit Wolfgang Amadeus
Mozarts robustem Nr 1 in B-Dur KV 439 b, von dem man sich gut vorstellen
konnte, dass Mozart und der Klarinettist Stadler es so eben zwischen Billard
und Brotzeit musizierten. Und nach der Pause erfrischte Benedetto Carullis
bekanntestes Trio mit einem recht spritzigen Menuetto presto.
Die Kammermusikreihe des Mainfranken Theaters erlebte
einen erfolgreichen Start am neuen Ort; so könnte sie ein eigenes Profil
gewinnen. Denn das Theater öffnete einen eigenen Fundus mit Entdeckungen
seiner Musiker wie dem Doppelbauer, aber auch mit deren verborgenen
Talenten. Diesmal erfuhr man, dass Rainer Armbrust, der Leiter der
Schauspielmusik, der auch mal "Lohengrin" oder "Così fan tutte"
nachdirigieren kann, hervorragend Klavier spielt!
Eigentlich klingen Alban Bergs Vier Stücke für Klarinette
und Klavier spätromantisch, verlangten von Armbrust und Uwe Ellies Sinn für
Klang-Üppigkeit und Schönheit. Doch die Lust, die Ewigkeit will, wird von
Berg erweckt und dann einfach abgeschnitten! Die Verdichtung der Komposition
verlangt auch eine dichte Konzentration der Ausführenden, die man durchaus
spürte. Frühromantisch klang das Konzert dann mit Michail Glinkas Trio
Pathétique d-Moll für Klarinette, Fagott und Klavier aus. Der Klavierpart
quillt über vor zarten Läufen und Fiorituren. Reizvoll sind eine
melancholische slawische Stimmung und der Ersatz der üblichen Streicher
durch Bläser und vor allem des Cellos durch das Fagott.
Andrea Wurmbäck blühte hier richtig auf: Wo sonst erhält
das Fagott solch melodische Bögen und darf singend sein geheimes
Gefühlsleben entfalten?
Ursula Knobloch
