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MainPost Würzburg, Dienstag, 8. Juni 2004

Mit einem spitzbübischen Staccato

Fideles und Jazziges bei der kleinen Nachtmusik in Würzburg

Glück gehabt: Die angekündigte "wolkenreiche und kühlere Meeresluft" hat sich mitsamt frostigen Temperaturen und Regenschauern am Sonntagabend rechtzeitig verabschiedet. Unter blauem Himmel und mit Vogelgezwitscher hat die kleine Nachtmusik im Hofgarten der Würzburger Residenz stattgefunden. Dirigent Evan Christ hatte solcherlei wetterbedingte Aufmunterung jedoch kaum nötig, mit so viel positiver Energie leitete er das Freiluftkonzert.

Anfangs jedoch bei Mozarts Notturno in D-Dur, KV 286, wollte das Philharmonische Orchester Würzburg dem engagierten Dirigenten nicht so recht folgen. Da waren sich die Streicher im Allegretto noch uneins, und das Echo der Blechbläser im Menuetto geriet ein wenig aus der Form. Die volle Konzentration war dann jedoch bei bei Mozarts Sinfonia concertante in Es-Dur, KV 297 b, erreicht, bei der Christ die vier solistisch konzertierenden Musiker reizvoll mit dem Gesamtorchester vereinte. Während im Allegro die vier Solisten noch als Einheit auftraten, entwickelten sie im Adagio jeweils eigenes Profil. Besonders Klarinettist Uwe Ellies fiel da mit zärtlichem, sehnsuchtsvollem Timbre auf.

Ein fideles Thema
Am spannendsten gelang der Variationssatz: Da gab Oboist Holger Burke ein fideles Thema vor, das von Ellies zunächst rauh, von der Fagottistin Andrea Wurmbäck dann mit einem spitzbübischen Staccato gespiegelt wurde. Auch da riß die Entwicklung nicht ab, gegen Ende gelangen mit den wippenden Legatolinien der Hornistin Isabel Schmitt und dem Zupfen der Celli im Hintergrund sogar jazzige Töne.

Mit Mozarts Sinfonie Nr. 29 in A-Dur, KV 201, ließ Christ alle Vorsicht fahren: Geradezu plakativ faßte er das Werk an, ignorierte die etwas mühseligen Einsätze der Streicher und gestaltete mit packenden dynamischen Wechseln und akzentuierten Schlägen ein farbiges Allegro moderato und ein knallendes Allegro con spirito. Gerade die Zuhörer im hinteren Teil des Gartens dankten es Christ mit langanhaltendem Applaus. Christ ließ sich nicht lumpen, revanchierte sich mit einer schnellen, ach nein, kleinen Nachtmusik als Zugabe. Rundum strahlende Gesichter.

Ruth Betz


 

ensemble spieltrieb
I
mpressum
Gestaltung: 
aW 2002 
Fotos:
 Patrick Simper, Makoto Sudo, Kjell A. Olsen, Eric Lemmer, Werner Ellies, Cornelia Boese, Andrea Wurmbäck