"Divertimento" - das italienische Wort bedeutet
"Unterhaltung,
Zerstreuung", und es wurde im 18. Jahrhundert nicht nur in Italien zum
Sammelbegriff einer musikalischen Gattung, die man als die
Unterhaltungsmusik dieser Epoche bezeichnen kann: Folgen von Tanzsätzen,
eingängige Instrumentalstücke, Tanzeinlagen in Opern, Tafelmusik,
instrumentale Bearbeitungen von Ouvertüren und Opernarien. Da es damals ja
noch kein Radio und Fernsehen und auch keine handlichen CD’s gab, mußte
jedes musikalische Ereignis live stattfinden; es galt Bälle und festliche
Soireen ebenso mit Musik zu versorgen wie Freiluft-Serenaden und
Hausmusik. Die großen Opern wurden erst dadurch so richtig populär, daß
man sie für die verschiedensten Bläserbesetzungen (die sogenannte
"Harmoniemusik") bearbeitete und allerorten zum Besten gab, bis jedes Kind
auf der Straße die "Schlager" nachpfeifen konnte.
Wolfgang Amadeus Mozart war der prominenteste Vertreter dieses Genres. In
einem Brief berichtet er stolz über einen Ball in Prag: "Ich sah mit
ganzem Vergnügen zu, wie alle diese Leute auf die Musik meines Figaro, in
lauter Kontratänze und deutsche Tänze verwandelt, so innig vergnügt
herumsprangen. Denn hier wird von nichts gesprochen als Figaro, nichts
gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als Figaro, keine Oper besucht
als Figaro. Und ewig Figaro! Gewiß große Ehre für mich!" Oftmals verdiente
sich der Arrangeur solcher Stücke eine goldenere Nase als der Komponist
des Originals, und so mußte man offenbar fix sein - in einem Brief über
die Fertigstellung seiner Oper "Die Entführung aus dem Serail" schreibt
Mozart 1782 an seinen Vater: "Nun habe ich keine geringe Arbeit: Bis
Sonntag acht Tag muß meine Oper auf die Harmonie gesetzt sein, sonst kommt
mir einer bevor - und hat statt meiner den Profit davon."
Unter allen Orchesterinstrumenten liebte Mozart ganz besonders die damals
gerade erst erfundene Bassettklarinette, was sicherlich nicht nur an ihrem
eigentümlich zarten und nasalan Klang lag, sondern auch daran, daß sein
Freund und Logenbruder Anton Stadler (1753 - 1812) ein Meister dieses
Intrumentes war. Mozart bedachte ihn mit einer Fülle von Kompositionen,
und das Klarinettenkonzert KV 622 gehört zu seinen schönsten
Instrumentalkonzerten. Die beiden Freunde hatten aber auch sonst viel Spaß
zusammen - und so kann man sich gut vorstellen, wie aus fröhlichen Zech-
und Kegelrunden heraus nicht nur das bekannte "Kegelstatt-Trio" entstand,
sondern auch die Fünf Divertimenti KV Anh. 229 (439b) für zwei Klarinetten
und Fagott: Leichte, fröhliche Unterhaltungsmusik voll Geist
und Witz.
Ignaz Pleyel, ein Zeitgenosse Mozarts, war ein eifriger Verfasser von
"Gebrauchsmusik", die zu seinen Lebzeiten massenhafte Verbreitung fand:
gefällige Sinfonien, Serenaden, Instrumentalkonzerte und Kammermusik.
Benedetto Carulli war
einer der berühmtesten Klarinettisten seiner Zeit. Als 20jähriger schon
absolvierte er das Mailänder Konservatorium und trat in den Dienst des
Teatro alla Scala. Über 50 Jahre, bis 1870, lehrte er am dortigen
Konservatorium und gründete auch eine Kammermusikvereinigung. Seine
zahlreichen Kompositionen für Klarinette und auch andere Instrumente sind
fast alle noch erhalten. So finden sich noch Konzerte in Form von
Divertimenti für Klarinetti und Oboe oder Flöte mit Orchesterbegleitung,
Kammermusik mit und ohne Klavier als Duette, Terzette, Fantasien und
Variationen. Das Trio für zwei Klarinetten und Fagott ist heute die
bekannteste seiner Kompositionen.
Swan Hennessy stammte ursprünglich aus Irland und wanderte später nach
Amerika aus. In seinen Werken spiegeln sich viele musikalische Elemente
seiner keltischen Heimat, und das Trio op. 54 ist eine teils heitere,
teils melancholisch-verträumte Folge folkloristisch angehauchter Melodien
und Tänze. Hier zeigt sich, daß sich die Divertimento-Tradition auch in
späteren Epochen noch fortsetzte.
Mit Peter Schickele schließt sich der
Kreis: der freischaffende New Yorker Komponist schreibt im Vorwort zu
seinen "Dances for Three", daß ihn Mozarts Divertimenti zu dieser
Komposition inspiriert haben. Besonders bekannt wurde Schickele jedoch
durch seine ziemlich skurrile Idee des "P.D.Q. Bach" - er verfaßte die
fiktive Biographie eines frei erfundenen Sohnes von Johann Sebastian Bach,
samt Kompositionen und Werkverzeichnis.
Neben den hier beschriebenen Stücken umfaßt unser
Repertoire auch noch Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Julius Fucik,
Johann Strauß und vielen anderen, sowie Bearbeitungen beliebter
"Ohrwürmer" von Rainer Schottstädt (Solofagottist im Gürzenich-Orchester
Köln), der viele Mozart-Bearbeitungen für Sabine Meyer und ihr "Trio di
Clarone" verfaßte, und Cornelia Boese (freischaffende Würzburger Musikerin
und Buchautorin), die freundschaftlich mit uns verbunden ist und uns schon
manches Stück auf den Leib geschrieben hat.
Die obige Programmfolge ist nur ein Beispiel unter vielen
möglichen Kombinationen zahlreicher Musikstücke. Selbstverständlich
stellen wir für Sie unser Programm ganz individuell für den jeweiligen
Anlaß zusammen. Diese Form der "gehobenen Unterhaltungsmusik" eignet sich
nicht nur für abendfüllende Kammerkonzerte, sondern auch für
gastronomische Events (Teekonzert, Kaffehausmusik, Festliches Diner
u.v.a.m). Je nach Thema der Veranstaltung würzen wir unsere Darbietung
auch noch mit passenden Texten und kleinen Anekdoten.