Divertimento

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Unterhaltsame Spielereien aus drei Jahrhunderten
für zwei Klarinetten und Fagott
 

Programmbeispiel

Wolfgang Amadeus Mozart
(1756-1791)

Divertimento Nr. 2 in B-Dur  KV 439

Peter Schickele (*1935)
Dances for Three

Ignaz Pleyel (1757-1831)
Trio in Es-Dur

P A U S E

Benedetto Carulli (1797 - 1877)
Trio in B-Dur op. 1

Swan Hennessy (1866-1929)
Trio


"Divertimento" - das italienische Wort bedeutet "Unterhaltung, Zerstreuung", und es wurde im 18. Jahrhundert nicht nur in Italien zum Sammelbegriff einer musikalischen Gattung, die man als die Unterhaltungsmusik dieser Epoche bezeichnen kann: Folgen von Tanzsätzen, eingängige Instrumentalstücke, Tanzeinlagen in Opern, Tafelmusik, instrumentale Bearbeitungen von Ouvertüren und Opernarien. Da es damals ja noch kein Radio und Fernsehen und auch keine handlichen CD’s gab, mußte jedes musikalische Ereignis live stattfinden; es galt Bälle und festliche Soireen ebenso mit Musik zu versorgen wie Freiluft-Serenaden und Hausmusik. Die großen Opern wurden erst dadurch so richtig populär, daß man sie für die verschiedensten Bläserbesetzungen (die sogenannte "Harmoniemusik") bearbeitete und allerorten zum Besten gab, bis jedes Kind auf der Straße die "Schlager" nachpfeifen konnte.

Wolfgang Amadeus Mozart war der prominenteste Vertreter dieses Genres. In einem Brief berichtet er stolz über einen Ball in Prag: "Ich sah mit ganzem Vergnügen zu, wie alle diese Leute auf die Musik meines Figaro, in lauter Kontratänze und deutsche Tänze verwandelt, so innig vergnügt herumsprangen. Denn hier wird von nichts gesprochen als Figaro, nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als Figaro, keine Oper besucht als Figaro. Und ewig Figaro! Gewiß große Ehre für mich!" Oftmals verdiente sich der Arrangeur solcher Stücke eine goldenere Nase als der Komponist des Originals, und so mußte man offenbar fix sein - in einem Brief über die Fertigstellung seiner Oper "Die Entführung aus dem Serail" schreibt Mozart 1782 an seinen Vater: "Nun habe ich keine geringe Arbeit: Bis Sonntag acht Tag muß meine Oper auf die Harmonie gesetzt sein, sonst kommt mir einer bevor - und hat statt meiner den Profit davon."
Unter allen Orchesterinstrumenten liebte Mozart ganz besonders die damals gerade erst erfundene Bassettklarinette, was sicherlich nicht nur an ihrem eigentümlich zarten und nasalan Klang lag, sondern auch daran, daß sein Freund und Logenbruder Anton Stadler (1753 - 1812) ein Meister dieses Intrumentes war. Mozart bedachte ihn mit einer Fülle von Kompositionen, und das Klarinettenkonzert KV 622 gehört zu seinen schönsten Instrumentalkonzerten. Die beiden Freunde hatten aber auch sonst viel Spaß zusammen - und so kann man sich gut vorstellen, wie aus fröhlichen Zech- und Kegelrunden heraus nicht nur das bekannte "Kegelstatt-Trio" entstand, sondern auch die Fünf Divertimenti KV Anh. 229 (439b) für zwei Klarinetten und Fagott: Leichte, fröhliche Unterhaltungsmusik voll Geist und Witz.

Ignaz Pleyel, ein Zeitgenosse Mozarts, war ein eifriger Verfasser von "Gebrauchsmusik", die zu seinen Lebzeiten massenhafte Verbreitung fand: gefällige Sinfonien, Serenaden, Instrumentalkonzerte und Kammermusik.

Benedetto Carulli war einer der berühmtesten Klarinettisten seiner Zeit. Als 20jähriger schon absolvierte er das Mailänder Konservatorium und trat in den Dienst des Teatro alla Scala. Über 50 Jahre, bis 1870, lehrte er am dortigen Konservatorium und gründete auch eine Kammermusikvereinigung. Seine zahlreichen Kompositionen für Klarinette und auch andere Instrumente sind fast alle noch erhalten. So finden sich noch Konzerte in Form von Divertimenti für Klarinetti und Oboe oder Flöte mit Orchesterbegleitung, Kammermusik mit und ohne Klavier als Duette, Terzette, Fantasien und Variationen. Das Trio für zwei Klarinetten und Fagott ist heute die bekannteste seiner Kompositionen.

Swan Hennessy stammte ursprünglich aus Irland und wanderte später nach Amerika aus. In seinen Werken spiegeln sich viele musikalische Elemente seiner keltischen Heimat, und das Trio op. 54 ist eine teils heitere, teils melancholisch-verträumte Folge folkloristisch angehauchter Melodien und Tänze. Hier zeigt sich, daß sich die Divertimento-Tradition auch in späteren Epochen noch fortsetzte.

Mit Peter Schickele schließt sich der Kreis: der freischaffende New Yorker Komponist schreibt im Vorwort zu seinen "Dances for Three", daß ihn Mozarts Divertimenti zu dieser Komposition inspiriert haben. Besonders bekannt wurde Schickele jedoch durch seine ziemlich skurrile Idee des "P.D.Q. Bach" - er verfaßte die fiktive Biographie eines frei erfundenen Sohnes von Johann Sebastian Bach, samt Kompositionen und Werkverzeichnis.

Neben den hier beschriebenen Stücken umfaßt unser Repertoire auch noch Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Julius Fucik, Johann Strauß und vielen anderen, sowie Bearbeitungen beliebter "Ohrwürmer" von Rainer Schottstädt (Solofagottist im Gürzenich-Orchester Köln), der viele Mozart-Bearbeitungen für Sabine Meyer und ihr "Trio di Clarone" verfaßte, und Cornelia Boese (freischaffende Würzburger Musikerin und Buchautorin), die freundschaftlich mit uns verbunden ist und uns schon manches Stück auf den Leib geschrieben hat.

Die obige Programmfolge ist nur ein Beispiel unter vielen möglichen Kombinationen zahlreicher Musikstücke. Selbstverständlich stellen wir für Sie unser Programm ganz individuell für den jeweiligen Anlaß zusammen. Diese Form der "gehobenen Unterhaltungsmusik" eignet sich nicht nur für abendfüllende Kammerkonzerte, sondern auch für gastronomische Events (Teekonzert, Kaffehausmusik, Festliches Diner u.v.a.m). Je nach Thema der Veranstaltung würzen wir unsere Darbietung auch noch mit passenden Texten und kleinen Anekdoten.
 

Repertoire-Liste Mozart-Abend Divertimento Rußland und Frankreich

ensemble spieltrieb
I
mpressum
Gestaltung: 
aW 2002 
Fotos:
 Patrick Simper, Makoto Sudo, Kjell A. Olsen, Eric Lemmer, Werner Ellies, Cornelia Boese, Andrea Wurmbäck