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Rieser Nachrichten, Mittwoch, 2. Juli 2003

Duett für Dampfnudel und Rahmstrudel...

"ensemble spieltrieb" zeigt in Reimlingen viel Spielfreude

(emy). Schon die Tatsache, dass sich das "ensemble spieltrieb" nicht mit einem sonst üblichen italienisch klingenden Namen ankündigt, zeigt schon, dass die in diesem Ensemble vereinigten Musiker völlig unverkrampft und ohne jegliche Allüren ihrem "Spieltrieb" nachgehen. Dass dies auch noch mit unverkennbarer Freude geschah, war wohltuend beim Konzert im Reimlinger Schloss.

Da die Bläser ohnehin den Ruf genießen, nicht nur sonst, sondern vor allem bei ihrem Spiel Freude zu verbreiten, gelang es den vier Musikern und Musikerinnen überzeugend, diese reichlich ans Publikum weiter zu geben. Hierbei teilte es damit die Freude am Klarinettenspiel mit Wolfgang Amadeus Mozart, der dieses Instrument besonders liebte und speziell für seinen Zechkameraden und Freund Anton Stadler wunderbare Klarinettenstücke komponierte. Serenaden und Divertimenti für kleinere Besetzungen gehörten in der Wiener Klassik zur Haus- und Unterhaltungsmusik, da sie ohne großen Aufwand zu spielen waren. Ein Glanzstück dieses Genres ist das "Divertimento Nr. 2 B-Dur" für zwei Klarinetten und Fagott.

Vergnüglich und schwungvoll

Die beiden Klarinettisten des "ensemble spieltrieb", Uwe Ellies und Edgar Eichstädter, verstanden es, den vergnüglichen und teils sehr schwungvollen Charakter des Stückes darzustellen. Mit viel Energie und großem Engagement agierte hierbei die Fagottistin Andrea Wurmbäck, in einigen Begleitfiguren vielleicht mit etwas zu viel Überschwang, aber mit der offensichtlichen Fähigkeit, die dem Stück innewohnende Fröhlichkeit voll auszuleben.

Eine völlig andere Klangwelt ist die von Michail Glinka, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein nationales musikalisches Selbstgefühl in die russische Musik brachte. Er, der als Erfinder der russischen Oper gilt, schrieb für Klarinette, Fagott und Klavier ein "Trio Pathétique", aus dem die russische Seele spricht. Ganz pathetisch beginnend spielen sich in einem moderaten "Allegro" Fagott (A. Wurmbäck) und Klarinette (U. Ellies) teils fröhliche, aber auch schwermütig klingende Themen zu, während das Klavier (Barbara Zeller) in vielen tonleiterähnlichen Läufen diese umrankt und schließlich das wunderbare geradezu elegische Klarinettenthema des "Largo" rhythmisch untermalt, das vom Fagott genussvoll übernommen wird. Im "Scherzo" überwiegt schließlich die Heiterkeit und endet mit einem rasanten Schluss.

Ein seit der Klassik lang vergessenes Instrument kam im folgenden Konzertstück zum Einsatz: Das Bassetthorn, manchmal auch als Bassettklarinette bezeichnet. Eigentlich erst wieder von Richard Strauss entdeckt, kam es zwischenzeitlich nur sporadisch in der Kompositionswelt vor, u. a. auch bei Mendelssohn-Bartholdy, der für Klarinette, Bassetthorn und Klavier das "Konzertstück Nr. 2" schrieb. Mendelssohn schrieb dieses Stück für den zu seiner Zeit zu den besten Klarinettisten zählenden Heinrich Baermann und dessen Sohn Carl anlässlich eines Besuchs der beiden. Da er eine besondere Schwäche für bayrische Mehlspeisen und besonders für Dampfnudeln und Rahmstrudel hatte, vereinbarte er mit den beiden, dass diese für ihn diese Delikatessen zubereiten sollten, während er für sie ein Musikstück schreiben wollte. Beides wurde am Abend serviert und so bekam das Stück im Untertitel die Bezeichnung "Großes Duett für Dampfnudel, Rahmstrudel, Klarinette und Bassetthorn". Und genauso lecker wie die Dampfnudel schmeckt auch das Stück, das trotz der kurzen Entstehungszeit, locker und leicht, fröhliche anspruchsvolle Unterhaltung bietet.

Kaum vorstellbar ist heute, dass es früher keine Musik auf Konserve gab. Dies war aber der Grund, dass die große Oper häufig für den kleinen Kreis und die kleine Besetzung bearbeitet wurde. Eine Opernfassung für Klavier und Fagott hat deshalb sicher auch seine Berechtigung, vor allem, wenn so charakeritische Arien verarbeitet werden wie "Furtiva Lagrima", die "verstohlene Träne" des verliebten Nemorino aus Donizettis "Liebestrank" oder die Arie des verzweifelten Königs aus "Jolanthe" oder gar das holpernde, stolpernde "Lied des Betrunkenen" von Tichon Chrennikov. Aber nicht aus dem Grund einer nicht verfügbaren Konserve, sondern um schwungvolle Bläserbearbeitungen zur Verfügung zu stellen, verarbeitete Rainer Schottstädt Melodien aus der Fledermaus von Johann Strauß zu einem unterhaltsamen Melodienreigen, auf den nach reichlichem Beifall das "ensemble spieltrieb" noch ein Bläserarrangement der Arie des Leporello, der das verwirrende Liebesleben seines Herrn "Don Giovanni" bejammert, zusteuerte.


 

ensemble spieltrieb
I
mpressum
Gestaltung: 
aW 2002 
Fotos:
 Patrick Simper, Makoto Sudo, Kjell A. Olsen, Eric Lemmer, Werner Ellies, Cornelia Boese, Andrea Wurmbäck