Schweinfurter Tagblatt, Freitag, 28.2.2003
Pure Lust am Musizieren
Spritzig-anregend
wie ein Glas Sekt - so war das Konzert des Würzburger "Ensemble
Spieltrieb" im Schrannensaal der Städtischen Sparkasse.
Spritzig und anregend gilt hier im doppelten Sinn:
Denn es gehört zur guten Tradition, dass das Geldinstitut das
Gast-Publikum des Schweinfurter Theaters in der Pause mit einigen
Extra-Prozenten verwöhnt. Andrea Wurmbäck (Fagott), Uwe Ellies und
Edgar Eichstädter (Klarinetten) und Denette Whitter (Klavier)
wiederum gefielen mit einem nicht alltäglichen, vielseitigen
Programm, mit ihrem technisch-sauberen und wachen Zusammenspiel und
mit ihrer spürbaren Begeisterung für kammermusikalisches
Miteinander.
Der Franzose Francis Poulenc, Mitglied der "Group des Six",
wollte ein "Komponist ohne Etikett" sein, entsprechend vielgestaltig
präsentiert sich seine Musik. Mit präzisem facettenreichem Spiel
betonen Uwe Ellies und Denette Whitter die ansteckende Vitalität,
die klangsinnliche, lyrische Zartheit von Poulencs Sprache, die
überraschen und geistreich unterhalten will. Kontraste vermittelt
auch die Sonate für Fagott und Klavier von Alexandre Tansman: Andrea
Wurmbäck gestaltet voller Ausdruckskraft und Tonschönheit die
"endlose" Melodie der Aria, unterstreicht mit nervösen, flüchtigen
Fagott-Phrasen den skurrilen Charakter des Finalsatzes.
Mozart schrieb das Divertimento in B-Dur für drei Bassetthörner,
entsprach damit wohl der Euphorie für diese Neuerung im
Instrumentenbau: Der Begeisterung für die Bassklarinette mit ihrem
mystisch-verschleierten dunklen Klang. Auch ohne diesen speziellen
Kick verwandeln die drei Bläser diese gefällige Musik der damaligen
Soireen mit Delikatesse zu einem funkelnden Erfolg. In gleicher
Besetzung dann das Bläser-Trio von Swan Hennessy, in dem die
schlichte Schönheit irischer Balladen und unbeschwerte Sing- und
Tanzlust aufscheinen.
Michail Glinkas "Trio Pathétique" für Klarinette, Fagott und
Klavier lässt schon durch den hellen und dunklen Klang der beiden
Blasinstrumente an ein bewegtes Zwiegespräch eines Paares denken.
Trügerisch die Einigkeit der Unisono-Einleitung, schnell entsteht
ein leidenschaftlicher Dialog: trotzig-aufbrausend, beschwichtigend,
schmeichelnd. Auch im Scherzo scheint es zu "kriseln", die
brillanten Klavierläufe von Denette Whitter vermögen nur kurzfristig
zu vermitteln.
Auch hier lassen die Würzburger Solisten ihrem Spieltrieb freien
Lauf und skizzieren treffend die dunklen Seiten von Glinkas
Italienreise: "Ich habe die Liebe und ihre Schmerzen kennengelernt."
Manfred Herker
