Fränkische Nachrichten, Mittwoch,
23. Juni 2004
Einen Reim auf Mozart gemacht
Cornelia Boese und das Trio "Spieltrieb" in
Würzburg
Was hat das Mozartfest mit Kaffee zu
tun? Wie reiste man zur Mozartzeit? Was geschieht im zweiten Teil der
Zauberflöte? Und wie war das eigentlich mit Mozarts Frauengeschichten?
Diese und viele andere Fragen beantwortete Cornelia Boese nun im
Rahmen des Mozartfestes zusammen mit dem Trio "Spieltrieb" im
Gartensaal der Residenz.
Cornelia Boese ist Souffleuse. Un
daß sich das reimt, das kann einfach kein Zufall sein, denn die
Souffleuse selbst reimt auch, pardon: dichtet. Unter anderem macht sie
sich auch ihren Reim auf Mozart, den überirdisch verklärten Musiker,
und beschreibt in ihren Gedichten vergnüglich (und sogar historisch
fundiert) das ganz und gar irdische Leben des großen Göttlichen. Da
lag es nahe, daß drei Musiker des Ensembles "Spieltrieb" auf die
Idee kamen, Musik und Lyrik mozärtlich zu vereinen, in heiterem,
gelösten Rahmen, im lichten Gartensaal der Residenz, bei Kafee und
Kuchen.
Und so klirrten und klangen an den
vollbesetzten Tischen zunächst einmal die Teetassen, Kaffeelöffel und
Kuchengabeln, bevor das Trio mit zwei Klarinetten und Fagott die
"musikalische Reimreise mit und zu Mozart" fulminant eröffnete, mit
einem Arrangement der Ouvertüre zu "Le nozze di Figaro". Von Beginn an
machten die drei Instrumentalisten dem Namen ihres Ensembles alle
Ehre. Fagottistin Andrea Wurmbäck beeindruckte mit leichtfüßig im Baß
dahinhuschenden Staccati, die Klarinettisten Uwe Ellies und Andreas
Langenbuch erfreuten mit Agilität und klanglichem Schmelz.
Da eilten zwischen den nonchalant
von Cornelia Boese vorgetragenen Gedichten die Divertimenti, sprich:
mehrsätzigen Unterhaltungsmusiken mit Arrangements aus Mozarts großen
Opern flott dahin; von der "Zauberflöte" sprang man zu "Figaro", von
"Così fan tutte" zu "Don Giovanni". Und das ist der einzige Vorwurf,
den man hier machen muß. Das Programm war etwas zu umfangreich und
vielleicht auch deswegen hetzten die Musiker bisweilen zu flott durch
ihre Läufe, so daß viele Linien nicht so ausgesungen und gestaltet
wurden, wie sie es verdient gehabt hätten.
Cornelia Boese schilderte dazwischen
in ihren Gedichten vergnüglich und launig allerlei Themen aus Mozarts
Leben: Daß das kleine Wunderkind mit Tabaksdosen und güldenen
Taschenuhren überreich beschenkt wurde, wie Mozart einst beim
Klavier-Wettspiel mit Clementi in seinem seidenen Hemd besser
gekleidet war als der Kaiser, daß Mozart bei der Durchreise durch
Würzburg hier einen Kaffee getrunken hat und die Stadt "prächtig"
fand. Einige prächtige Brückenschläge von Dichtung zu Musik gab es
auch. In einem Brief gestand Mozart einmal seinem Vater, wenn er jedes
Mädchen, das er geküßt habe, auch heiraten müßte, dann müßte er wohl
"zweihundert" frei'n. Die anschließende Registerarie "Madamina, il
catalogo è questo" aus dem Don Giovanni wurde prompt mit einigen
Lachern im Publikum quittiert.
Sehr hübsch war auch Cornelia Boeses
musikalische Fortsetzung der Zauberflöte. Von Goethe stammt ja das
Libretto einer Fortsetzung. Daraus hatte Boese eine Arie des
verdrossenen Paares Papagena und Papageno herausgenommen und selbst in
Musik gesetzt, in tränenreiches Moll. Und mit Papagenos Panflöte in
der Hand ergänzte sie das Ensemble "Spieltrieb" mal eben zum Quartett.
Damit verbrachte das Publikum im
Gartensaal einen überaus kurzweiligen Nachmittag in der nur wenige
Schritte weiter von Touristen durchströmten Residenz. Und obwohl die
Fensterscheiben zum Hofgarten verhängt waren, gelang es einigen
Kindern sogar, hochzuklettern und von draußen einen Blick in den
Festsaal zu erhaschen. Für die neugierigen Gucker läßt das viel
erhoffen, denn auch die junge Cornelia Boese hatte sich einst mit
einem Cellokasten in die Residenz geschmuggelt, um mit dem Ohr an der
Tür zum Kaisersaal zu lauschen. Was daraus geworden ist, wissen wir ja
jetzt...
Günther Molz
