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Main-Echo Aschaffenburg, Donnerstag, 20. Februar 2001

Herrlich abseitig

»trio spieltrieb« zu Gast in der Würzburger Residenz

Schon mal was von Josef Friedrich Doppelbauer gehört? Oder von Benedetto Carulli? Wenn nicht, ist das selbst für versierte Musikkenner kein Grund, das Selbstbewusstsein zu verlieren. Aber ein Anlass, dem »trio spieltrieb« ein Kompliment zu machen. Denn für das erste Kammerkonzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg im Toscanasaal der Residenz hatten sich die drei Bläser, verstärkt durch Rainer Armbrust am Klavier, ein erfrischend abseitiges Programm ausgesucht.

Nachdenkliches war mit Unterhaltsamem aufgelockert, Kompositions-Schwergewichte mit der tonschöpferischen Federgewichtsklasse konterkariert. Zurück zur Aufklärung, wer denn nun Johann Friedrich Doppelbauer gewesen ist: Professor für Orgel und Komposition am Mozarteum in Salzburg, 1918 in Wels geboren, 1989 in der Mozartstadt gestorben.

Seinem Trio für zwei Klarinetten und Fagott ist die Prägung der fünfziger Jahre anzumerken: Hindemith lässt grüßen, die Melodien sind so hübsch unmelodisch wie sie damals nur sein konnten, bewegen sich recht selbstständig, treffen sich zu teils avancierten, teils heute schon behäbig fortschrittlich klingenden Reibungen, ergeben polytonale Komplexe und vieldeutige harmonische Verläufe.

Die burlesk purzelnden Läufe im Fagott mit der phänomenal sicheren Andrea Wurmbäck, die kurzen Noten und pointierten Akzente, die marionettenhaften Figuren geben dem Stück einen verspielten Charakter, der in der feinen Ironie der Schlussfuge noch verstärkt wird. Doppelbauers Tiefsinn schreitet nicht würdig einher, sondern gibt sich beschwingt und ohne Grübelfalten.

Ein anderer Salzburger war unvergleichlich geschickt darin, abgründige Meisterschaft mit einer heiter und leicht wirkenden Klangoberfläche zu tarnen: Mozart. Sein Divertimento für zwei Klarinetten und Fagott (KV 439b) verbindet freundlich-flüssigen Tonfall, lebendigen Menuett-Schwung und ein wenig sommernächtliche Adagio-Seligkeit mit den Künsten des souveränen Kontrapunktikers.

Dominierend ist freilich die Freude am Spiel mit der instrumentalen Virtuosität, die damals Anton Stadler, heute Uwe Ellies demonstrieren konnte. Der seit 15 Jahren im Philharmonischen Orchester tätige Klarinettist wollte nicht bloß mit Läufen, Spitzentönen und Legato-Künsten brillieren. Seine Art, Übergänge anzusteuern, sein liebevoll geformter Ton und manch aparte dynamische Schattierung offenbaren den gestaltenden Musiker.

Diese Seite konnte er in Alban Bergs bedeutenden »Vier Stücken für Klarinette und Klavier« noch expressiver ausleben. Sie fordern technisch Anspruchsvolles, rhythmische Finesse und rasche Farbwechsel, mehr noch die gespannte Aufmerksamkeit für die gedrängte Form, Disziplin im Detail und in der Pausendramaturgie und ein auf die Nuance berechnetes Zusammenspiel von Pianist und Bläser. Uwe Ellies und Rainer Armbrust waren sich da einig und konnten Bergs Forderungen seriös erfüllen.

Mit Benedetto Carulli (1797 bis 1877) ging es in leichtere Regionen, wenn auch nicht für den Primarius, für den der berühmte Klarinettist im Orchester der Scala und Lehrer am Mailänder Konservatorium seine Virtuosen-Schatztruhe bis auf den Grund leert. Ellies stellte sich dem funkensprühenden Wahnwitz tapfer, raste die Skalen auf und ab, formte die Verzierungen wie weiland die epochalen Primadonnen. Auch die Fagottistin bekam ihr mundstückbrecherisches Teil, denn die »zweiten« Damen auf der Bühne wollten dereinst mit ihren Fertigkeiten nicht zurückstehen.

Nadja Konrad trug den Klang mit der stets wohl geformten, aber leider in den Hintergrund verbannten zweiten Klarinette. Ein köstlich wetteiferndes Stück unterhaltende Musik, dem zum letzten Glück noch ein wenig belcantistische Phrasierung und eine Spur Ironie gut getan hätte. Bei fünf »Hauptrollen« verzeiht manUwe Ellies, dass ihm zum Schluss in Michail Glinkas leidenschaftlich-opernhaftem »Trio pathétique« d-Moll mancher Ton zu grell geriet.

Rainer Armbrust am basslastig-stumpfen Flügel hielt nicht viel von Ritardando-Effekten und gestischer Agogik, dämpfte damit die Ausdrucksglut, die schon von der »russischen Seele« zu singen weiß, wenn auch mit starkem italienischen Akzent. Zum guten Ende ein echter »Rausschmeißer«: ein »Sturmgalopp« von Karl Komczak.

Werner Häußner


 

ensemble spieltrieb
I
mpressum
Gestaltung: 
aW 2002 
Fotos:
 Patrick Simper, Makoto Sudo, Kjell A. Olsen, Eric Lemmer, Werner Ellies, Cornelia Boese, Andrea Wurmbäck